Die eigene Situation und die allgemeine Lage werden dabei unterschiedlich eingeschätzt. Die Diskrepanz erklärt sich mit der medialen Wirkung von Nachrichten und Berichte auf die Bürger:innen.
Informationen und Argumente
Mit dem Ausbau der Digitalisierung in der Medienlandschaft, dem Rückgang gedruckter Zeitungen und sehr verkürzter Informationen nehmen Falsch- und Desinformationen erheblich zu. Nachrichten aus 14 Millionen Tageszeitungen stehen über 30 Millionen Nachrichten in sozialen Netzwerken täglich gegenüber. Auch das Main Echo hat in den letzten 10 Jahren über 30.000 Leser verloren und ist insgesamt auf 58.000 Leser geschrumpft. Im Jahr 2020 hat die Kommission für Medienschutz über 1,3 Millionen Falsch- und Desinformationen in Sozialen Medien, Fernsehen und Rundfunk benannt, in 2021 und 2022 dürfte die Zahl sich vervielfacht haben. Von der Lügenpresse über die gezielte Islamisierung der Gesellschaft, der Impflüge bis zur Klimaerwärmung als Erfindung, ist alles dabei. Solider selbstrecherchierender und kritischer Journalismus findet man höchst selten. Die Fülle der Informationen und deren Verbreitungsgeschwindigkeit erfordert eine selbstbestimmte Reflektion. Eine kritische Medienkompetenz ist die Säule zum Erhalt demokratischer Strukturen. Es braucht Vertrauen in die eigene Wahrnehmung, ein eigens Bewusstsein und eine Einbindung in soziale Strukturen, wie Familie und Freundeskreis.
Kritische Kompetenz ist gefragt
Der Zugang zur beruflichen und gesellschaftlichen Bildung wird früh gelegt, Das Bilderbuch der Kleinen, das Lesebuch der Schüler, das regelmäßige Gespräch in der Familie, sind erste Schritte zur Bildung. Diese gesellschaftliche und kritische Bildung muss im Beruf, Vereinen und Organisationen gefördert werden. Kritische und kontroverse Gesprächsführung erfordert viel Übung. Sie ist zwingend notwendig, wenn wir den Gefahren für die Demokratie wirkungsvoll begegnen wollen. Immerhin engagieren sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 15,72 Millionen Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich, darunter 1,1 Millionen Gewerkschafter. Rund 30 Prozent tun dies neben ihrem Beruf. Vereine und Organisationen, insbesondere auch Gewerkschaften, müssen mehr Raum und Anreize bieten, um gesellschaftskritische Diskussionen zu ermöglichen. Wer sich gesellschaftlich engagiert, erweitert seinen geistigen Horizont und sieht Entwicklungen aus einem größerem Blickwinkel. Das Engagement ist nicht nur ein Ausgleich zum Joballtag, sondern fördert auch die Persönlichkeitsentwicklung.