DGB PRessekonferenz am 06.02.2026 Pressekonferenz zur Situation am Untermain

Die Wirtschaft am Untermain und im Spessart steckt weiter unter Druck: Hunderte Stellen gingen 2025 verloren, ganze Branchen kämpfen mit Energiepreisen, geopolitischen Konflikten und Handelsbarrieren. Gewerkschaften warnen vor verschärften Strukturproblemen – und fordern ein stärkeres Gegensteuern.

Das Bild zeigt die Teilnehmer der Pressekonferenz des DGB

10. Februar 2026 10. Februar 2026


Tausende Stellen weg – 2025 war ein Ausnahmejahr

Die Wirtschaft am Untermain und im Spessart blickt auf ein äußerst schwieriges Jahr 2025 zurück. Besonders die Metall- und Elektroindustrie hat massive Einschnitte erlebt. „Wir haben vergangenes Jahr durchschnittlich 100 Stellen pro Monat verloren“, sagt Percy Scheidler, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Aschaffenburg. Rund 1200 Arbeitsplätze seien so allein in tarifgebundenen Betrieben weggefallen. Rechnet man nicht tarifgebundene Unternehmen hinzu, liegt die Zahl sogar deutlich höher. „Die Arbeitsagentur kommt in Summe auf über 3000 verlorene Arbeitsplätze.“ Vergleichbar herausfordernd sei zuletzt nur die Corona-Phase oder die Bankenkrise 2008 gewesen.

Exportabhängige Industrie besonders verwundbar

Auch DGB-Kreisvorsitzender Björn Wortmann sieht die Lage kritisch. Die starke Industrielastigkeit der Region mache viele Unternehmen empfindlich gegenüber globalen Entwicklungen. „Die US-Zollpolitik und die Handelspolitik insgesamt bekommen wir stark zu spüren“, sagt er. Stabiler sei hingegen die Situation in der Dienstleistungsbranche, der Gesundheitswirtschaft und der Medizintechnik.

Was die Gewerkschaften vom Staat erwarten

Wenn es um Gegenmaßnahmen geht, sehen beide Gewerkschafter die Politik in der Pflicht. Wortmann fordert, öffentliche Aufträge strategisch einzusetzen: Diese müssten an soziale und ökologische Kriterien gebunden werden, um regionale, tarifgebundene Unternehmen zu stärken. Zudem brauche die Region eine neu ausgerichtete Wirtschaftsförderung sowie ein Transformationsnetzwerk, in dem die Hochschule Aschaffenburg eine Schlüsselrolle übernehmen könne.

Unternehmen nutzen Förderprogramme kaum

Scheidler betont, dass der Staat bereits Fördermittel bereitstelle – etwa für betriebliche Weiterbildung über die Agenturen für Arbeit. „Aber die Unternehmen greifen diese Mittel nicht ab“, kritisiert er. Stattdessen würden zunehmend Stellen abgebaut oder ins Ausland verlagert. Das Argument der günstigeren Löhne in osteuropäischen Ländern lässt Scheidler nicht gelten: „Mit rumänischen Löhnen kann man keine deutschen Mieten bezahlen.“ Wortmann ergänzt, man müsse endlich aufhören, Arbeitnehmer pauschal als faul oder krankheitsanfällig darzustellen. Vielmehr müsse die Kaufkraft in Deutschland gestärkt werden.

Externe Schocks belasten die Region

Die Ursachen für die Schwäche der Wirtschaft sehen beide Gewerkschafter vor allem in globalen Krisen: der Ukraine-Krieg, die aggressive Zollpolitik der USA, steigende Klimafolgekosten und die weiterhin hohen Energiepreise belasteten die Unternehmen erheblich.

Industriestrompreis überzeugt die Gewerkschaften nicht

Auch vom geplanten Industriestrompreis, der energieintensiven Betrieben wie Gießereien und Papierherstellern helfen soll, erwartet Scheidler wenig. Die Entlastung komme in der Praxis kaum an. „Nachgelagert kommt das nur im Zehntel-Cent-Bereich in den Betrieben an“, sagt er. „Das ist kein wirklicher Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit – nicht nur in den Gießereien, sondern auch beim Bäcker um die Ecke.“